|
Wer zwischen Ulm und Ehingen von der
B 311 nach Oberdischingen abzweigt, fühlt sich plötzlich in eine andere Welt
versetzt. Schon die Abzweigung ist mit einer imposanten dreigeteilten
Kreuzigungsgruppe von Johann Friedrich Vollmer (1780/90) gekennzeichnet:
Segens-
und Eingangssymbol zum Reichsgrafendorf, zu dem eine Allee führt.
Diese wurde bereits 1770 angelegt, um den "schönsten Brautzug"
aufzunehmen, denn Marie Antoinette, Tochter der Kaiserin Maria Theresia,
passierte den Ort, als sie nach Frankreich reiste, um Ludwig XVI.
zu heiraten. An die Allee schliesst sich die Herrengasse an, erbaut
im französischem Mansardenstil, in deren Gebäude noch heute Bäcker,
Metzger und Apotheke anzutreffen sind und vermittelt das Bild einer
barocken Residenz. In den meisten Türen ist die Jahreszahl 1783 zu
finden. Am Ende der Herrengasse erhebt sich der barocke Kirchturm
der klassizistischen Pfarrkirche
"Zum heiligsten Namen Jesu" über dem Grundriss eines griechischen
Kreuzes wurde eine Art Rundtempel mit Kuppel errichtet (auch als schwäbisiches
Pantheon bezeichnet). Spätgotische Steinreliefs mit Passionsszenen,
geschaffen von Meister Anton aus der Syrlin-Schule (Ulm), die für
wenig Geld aus der Klosterkirche
Blaubeuren hierher gebracht wurden. Sehenswert die Dreifaltigkeitskapelle
(1712-1713). Oberdischingen war die ehemalige Residenz der Reichsgrafen
Schenk v. Castell, dessen berühmtester Vertreter, Franz Ludwig, der
sogenannte "Malefizschenk" (1736-1821), über 20 Jahre lang
ein weit über die Grenzen Oberschwabens bekanntes Gefängnis betrieben
hatte, um das "Jaunerunwesen" zu bekämpfen. Das zuvor neu
erbaute Schloss wurde 1807 von seinen inhaftierten "Jaunern"
angezündet. Einige Gebäude, wie der Neubau von 1870 und der Kavalierbau
(ehem. Fuggerisches Schloss) sind heute im Besitz der Steyler Missionsschwestern.
|